Harmonice mundi

Vorwort der Herausgeberin

(Auszug)

Das epochale Werk Johannes Keplers, die HARMONICE MUNDI, gedruckt im Jahre  1619, ist bis heute die wichtigste Grundlage zum Verständnis der pythagoreischen Harmonik.  Sie diente allen späteren Autoren über diesen Themenbereich als unentbehrliche Grundlage. Berühmt geworden ist dieses Werk vor allem durch Keplers Planetengesetze. Sie bilden aber nur einen kleinen Bereich des Werkes. Kepler hat es verstanden, mathematische, geometrische, astronomische, musikalische und philosophische Aussagen miteinander in Zusammenhang zu bringen und gegenseitige Abhängigkeiten aufzuzeigen, die bis dahin noch nirgendwo so klar und wissenschaftlich korrekt schriftlich formuliert wurden. Er unterteilte sein Werk thematisch geordnet in fünf zusammenhängende Bücher.

Die HARMONICE MUNDI, von Kepler in der damals üblichen Wissenschaftssprache Latein geschrieben, wurde durch ihre erste vollständige Übersetzung ins Deutsche 1939 durch Max Caspar im Auftrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München vorgenommen und dadurch erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie hat bis heute mehrere Neuauflagen erfahren.

Schon zuvor gab es auszugsweise Übersetzungen durch andere Wissenschaftler, die in kleineren Auflagen veröffentlicht wurden. So arbeitete bereits früher der Musikwissenschaftler Dr. Hilmar Trede, Freund und Vater des Schwiegersohns des Hamburger Schriftstellers, Orgelkonstrukteurs und Harmonikers Hans Henny Jahnn, an der Übersetzung des hier vorliegenden dritten Buches. Es behandelt musikalische Fragen wie Akkordik und Kontrapunktik, Modi, Stimmsysteme und deren Stellung und Einordnung in die kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Die Musik wird hier, wie bereits in der Antike, nicht nur als reine Kunst sondern vor allem als mathematische Disziplin aufgefasst und dient als vollgültiges Instrument zum Nachweis verschiedener Naturgesetzmäßigkeiten. Hilmar Trede hat die Übersetzung des dritten Buches im Zuge seiner harmonikalen Arbeiten und Forschungen vorgenommen und auszugsweise in den Blättern für harmonikale Forschungen (Schriften eines Arbeitskreises um Dr. Hans Kayser) publiziert. Hans Henny Jahnn beabsichtigte, diese Übersetzung später in dem von ihm gegründeten und geleiteten Ugrino-Verlag vollständig zu veröffentlichen. Der Ugrino-Verlag gab zahlreiche Erstdrucke von Kompositionen Vincent Lübecks, Samuel Scheids, Dietrich Buxtehudes und einiger weiterer Komponisten in hochwertigen, bibliophilen Ausgaben heraus und widmete sich auch der Veröffentlichung einiger ausgewählter Schriften.  Hilmar Trede war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor des Ugrino-Verlages. Jahnn äußerte sich kurz nach dem Tode Hilmar Tredes in einem Brief an Sybille Grüter-Philips vom 6. 3. 1947 nochmals schriftlich dazu: „… Es muss aber wenigstens eine Übersetzung der Harmonie der Welten von Kepler bestehen, die ich sehr gern im Ugrino-Verlag herausbringen möchte.“  Zu dieser Veröffentlichung ist es nicht mehr gekommen. Die vorliegende Ausgabe nun möchte Jahnns Wunsch nach vielen Jahrzehnten erfüllen.

Caspar weist im Vorwort seiner Kepler-Ausgabe mit großem Respekt auf die Arbeit Tredes mit folgenden Worten hin: „Das Beste, was bisher veröffentlicht worden ist, ist eine kommentierte Übersetzung des III. (musikalischen) Buches von Hilmar Trede in den Sonderheften der Blätter für Harmonikale Forschung in Lieferungen von 1936 an. Es ist bedauerlich, dass sie nur in einer beschränkten Anzahl von Exemplaren vervielfältigt vorliegt. Ich möchte dem Verfasser auch an dieser Stelle meinen Dank für die Überlassung eines Exemplares aussprechen. Habe ich seine Schrift auch erst nach Fertigstellung meiner eigenen Übersetzung jenes Buches erhalten, so hat sie mir doch bei der Revision des Drucks gute Dienste geleistet und ich habe in den Anmerkungen des Öfteren darauf Bezug nehmen können.“  So ist Tredes Übersetzung teilweise in Caspars Werk mit eingeflossen.

... (Danksagungen)